#131 Dirk Lehr: Warum ein Handschlag nicht mehr reicht

 

Von Vertrauen, Recht und dem Wert der eigenen Arbeit

Atelier-Talk #131 Dirk Lehr: Warum ein Handschlag nicht mehr reicht
Stephanie Hüllmann

Dirk Lehr

Dirk Lehr vereint ungewöhnlich viele Perspektiven in einer Person: Er ist Rechtsanwalt mit Schwerpunkt Kunst- und Urheberrecht, Kunstsammler, Autor mehrerer Bücher über den Kunstmarkt und Gastgeber des Podcasts Kunstradar. Seit Jahrzehnten bewegt er sich zwischen rechtlichen Grundlagen und der Realität des Kunstbetriebs.

Für diese Episode meines Kunst-Podcasts habe ich mit ihm über Verträge gesprochen. Herausgekommen ist allerdings viel mehr als ein juristischer Leitfaden.

Zwischen Vertrauen und Verbindlichkeit

Viele Künstler:innen arbeiten mit Handschlag, einem freundlichen Nicken oder einer E-Mail, die irgendwie mal kurz zwischen Kaffee, Vernissage und Materialsuche geschrieben wurde. Das funktioniert erstaunlich oft. Bis es dann eben mal nicht mehr funktioniert.

Dirk Lehr plädiert deshalb für einen Perspektivwechsel. Ein Vertrag sei kein Ausdruck von Misstrauen, sondern von gegenseitigem Respekt. Er zwinge beide Seiten, Erwartungen auszusprechen, Verantwortung zu übernehmen und Missverständnisse gar nicht erst entstehen zu lassen. Außerdem trägt ein Vertrag dazu bei, dass dem Künstler oder der Künstlerin auf Augenhöhe begegnet wird und er oder sie sich selbst schneller als Unternehmer:in begreift.

Warum die Praxis so ist wie sie ist und weshalb gerade Künstler:innen sich damit häufig so schwertun, darüber sprechen wir ausführlich. Und ich verspreche: Einige seiner Antworten haben selbst mich überrascht!

Vier Werke von Dirk Lehr

Eine Galerie ist Partner aber keine Lösung für alles

Kaum ein Thema beschäftigt Künstler:innen so sehr wie die Zusammenarbeit mit einer Galerie. Wenn man denn eine gefunden hat, mit der man zusammenarbeiten möchte, hängt der Himmel erst einmal voller Geigen. Und man vergisst, sich um die vielen offenen Details eine Zusammenarbeit zu kümmern: Worauf bezieht sich eigentlich Exklusivität? Wer trägt Transport- und Lagerkosten?Wem gehören Werke, solange sie in der Galerie hängen? Und sollte man wissen dürfen, wer das eigene Werk gekauft hat?

Es steckt also ziemlich viel Konfliktpotenzial in unausgesprochenen Erwartungen. Dirk Lehr beschreibt sehr anschaulich, welche Punkte besser vor der ersten Ausstellung geklärt werden sollten und nicht erst dann, wenn Sand ins Getriebe gerät.

Verkauft heißt noch lange nicht aufgegeben

Ein Werk wird verkauft, und viele Künstler haben das Gefühl, damit sei ihre Beziehung zu dieser Arbeit beendet. Doch genau hier beginnt ein Bereich, der erstaunlich wenig bekannt ist:

Welche Rechte verbleiben beim Künstler / bei der Künstlerin? Was dürfen die neuen Besitzer mit einem Werk tun und was für Probleme gibt es bei Social Media? Warum bekommt plötzlich die VG Bild-Kunst eine wichtige Rolle? Und falls du dich gerade fragst “VG WAS?”, dann bist du damit nicht allein und solltest auf alle Fälle diese Episode hören!

Dirk Lehr im Austausch

Kunst machen heißt heute ein Unternehmen führen

Dirk Lehr vertritt eine klare Haltung: Wer heute professionell als Künstler:in arbeitet, kommt um unternehmerisches Denken nicht mehr herum.

Es geht in diesem Teil des Gesprächs um Eigenverantwortung, um Sichtbarkeit, um Netzwerke oder auch darum, sichnicht ausschließlich auf eine einzige Galerie zu verlassen. Wir sprechen über Kunstvereine, Medienkontakte, Social Media und darüber, warum Selbstvermarktung heute eher eine Notwendigkeit als eine nervige Zusatz-Aufgabe ist.

Ausstellungsplakat zur Ausstellung der Sammlung Dirk Lehr

Das eigene Selbstverständnis

Am Ende landen wir fast zwangsläufig bei einer Frage, die viele Künstler:innen seit vermutlich Ur-Zeiten begleitet: Darf Kunst überhaupt wirtschaftlich gedacht werden?

Dirk Lehr beantwortet diese Frage angenehm unaufgeregt. Ein Preisschild, sagt er sinngemäß, bedeutet keinen Ausverkauf kultureller Werte. Es kann ebenso Ausdruck von Respekt sein und zwar gegenüber der eigenen Arbeit ebenso wie gegenüber den Menschen, die sie erwerben.

Und spätestens bei diesem Teil des Gesprächs wurde mir bewusst, dass diese Episode weit mehr geworden ist als ein Gespräch über Verträge…


Nochmal hören:

In den folgenden Episoden findest du Themen, die an das heutige Gespräch anknüpfen:

#117 Anne Simone Kiesiel: Kunst ist kein Selbstgespräch

Ein Gespräch über Sichtbarkeit, Selbstwert und den Kunstbetrieb.

#112 Manuel Koch: Vom Atelier in die Sammlung
Was sollte man über Sichtbarkeit, Präsentation und Verkauf wissen? …

#91 Denkst du schon solo-selbstständig oder muckelst du noch vor dich hin?
Simon Pfeffel und Benjamin Thaler im Gespräch.

#108 Anh Nguyễn und die Kraft der inneren Einstellung
Von unternehmerischem Denken, Selbstbewusstsein und Präsenz

Über Eigeninitiative, und wie man die Dinge selbst in die Hand nimmt, spreche ich außerdem in Episode #79: “Eigeninitiative – ohne geht’s kaum”


Atelier-Talk wird unterstützt von:

Manuel Koch und seinem Salon Schinkelplatz

Die schönste Rendite ist die Freude an der Kunst“ sagt Manuel Koch. Als Kunstkenner, Sammler und Finanzexperte weiß er, wovon er spricht.

Die Freude, von der er spricht, ist sogar 3-fach:

  1. Zum einen entsteht sie aus dem Wissen, dass mit dem Kauf von Kunst Künstlerinnen und Künstler unterstützt werden und ihnen und ihrer Arbeit Wertschätzung geschenkt wird.

  2. Du als Käufer:in hast die Freude an einem neuen Kunstwerk, das deinen Alltag verschönert und bereichert.

  3. Durch das Kaufen von Kunst kannst du für dich ein richtig gutes Investment tätigen.

    Alle Infos findest du bei: www.salon-schinkelplatz.de .


Link-Liste:

Außerdem:

Mehr über mich, Stephanie Hüllmann, gibt’s auf meiner


Mehr über meinen Kunst-Podcast-Unterstützer Manuel Koch und seinen Salon Schinkelplatz findest du hier:

Atelier-Talk findest du auf Spotify und ApplePodcasts - zum Abonnieren und zum Beschenken mit fünf Sternen, DANKE! :-)

  • Atelier-Talk bei Instagram, mit weiteren Fotos, Infos, Videos und viel Aktuellem.

 
Weiter
Weiter

#130 Werner Tammen: Ein halbes Jahrhundert Kunstbetrieb