#132 Bitte keine Politik in der Kunst…

 

…warum ich das für eine schlechte Idee halte

Atelier-Talk #132: Bitte keine Politik in der Kunst
Stephanie Hüllmann

Das bin ich — Stephanie Hüllmann

Worum es mir überhaupt geht

„Bitte keine Politik in der Kunst!“ Diesen Satz höre ich immer wieder. Aber was steckt eigentlich hinter diesem Wunsch, Kunst und Politik voneinander zu trennen?
In Episode #132 meines Kunst-Podcasts gehe ich dieser Frage genauer nach und hinterfrage dabei auch meine eigene Haltung. Dabei stoße ich auf Zusammenhänge, die meinen eigenen Blick auf Kunst verändert haben: Vielleicht ist Vieles von dem, was wir Künstlerinnen und Künstler für unpolitisch halten, längst politischer, als wir denken.

Was soll „keine Politik in der Kunst” eigentlich bedeuten?

Wenn wir von politischer Kunst sprechen, denken Viele zunächst an ganz konkrete politische Botschaften oder Forderungen. Aber beginnt Politik nicht sehr viel früher? Was ist allein mit der Auswahl unserer Themen? Mit den Geschichten, die wir erzählen…oder besser weglassen? Kann ein Kunstwerk wirklich völlig außerhalb dieser Themen stehen? Ich denke, das ist kompliziert.

Vielleicht liegt das Problem ja schon darin, dass wir unter „politischer Kunst“ etwas viel Engeres verstehen, als eigentlich gemeint sein könnte.

Muss Kunst Stellung beziehen?

Eines ist mir wichtig. Bevor jetzt jemand denken könnte, ich wolle aus jedem Kunstwerk eine politische Stellungnahme machen: NEIN, das will ich bestimmt nicht. Kunst darf selbstverständlich schön sein, berühren, irritieren, unterhalten oder einfach eine ganz persönliche Geschichte erzählen. Sie muss keine Stellungnahme zu jedem gesellschaftlichen Thema abgeben und schon gar nicht eine konkrete Wahlempfehlung aussprechen. Aber bedeutet das, dass sie automatisch unpolitisch ist?

Dieser Frage gehe ich in dieser Episode etwas genauer nach. Und dabei lande ich sogar auch bei meiner eigenen Arbeit. Denn Themen wie Zeit, Vergänglichkeit, Erinnerung, Natur oder Konsum erscheinen vielleicht auf den ersten Blick ziemlich weit weg von dem, was wir im Allgemeinen als „politisch“ bezeichnen. Aber im Laut-Nachdenken während dieser Episode entstehen plötzlich Zusammenhänge, deren Entdeckung ich sehr spannend finde.

(Foto: Alexandra Scherf)

Warum gerade jetzt?

Vielleicht würde mir dieses Thema für den Atelier-Talk Podcast gar nicht einfallen, wenn wir gerade in einer völlig entspannten gesellschaftlichen Situation leben würden.

Das tun wir aber nicht.

Der allgemeine Umgangston ist rauer geworden, gesellschaftliche Auseinandersetzungen sind härter geworden und vor allem: Dinge, die ich schon länger als gesellschaftlichen Konsens verstanden hatte, stehen plötzlich wieder zur Diskussion. Und diese Episode erscheint kurz vor diversen Landtagswahlen in Deutschland, die aus verschiedenen Gründen wegweisend sind.

Und da frage ich mich schon: wenn nicht jetzt – wann dann?

Ich bin überzeugt davon, dass Kunst unseren Blick auf die Welt verändern kann, und genau darin liegt für mich ihre besondere Kraft. Dabei geht es mir nicht darum, aus Kunst Wahlkampf zu machen. Ganz im Gegenteil. Nur halte ich es für schwierig, von sich und der eigenen Kunst zu behaupten, dass man sich aus allem heraushalten wolle! Und was könnte passieren, wenn wir das bewusst nicht machen?

Was kann Kunst überhaupt bewirken?

Eine der großen Möglichkeiten von Kunst ist es, etwas in uns zu verschieben, ohne uns vorzuschreiben, was wir denken sollen. Sie kann unseren Blick verändern. Vielleicht nicht spektakulär und schon gar nicht von heute auf morgen, aber manchmal reicht schon eine kleine Verschiebung in der Wahrnehmung. In der Episode berichte ich von einer eigenen, kleinen aber kraftvollen Erfahrung.

Und daraus ergibt sich eine entscheidende Frage eigentlich von selbst:
Wenn Kunst unsere Wahrnehmung verändern kann, kann sie dann überhaupt wirklich unpolitisch sein?

Blick ins Atelier. Von links: eine Arbeit mit Reiskörnern; die Arbeit “Trotz alledem”, die auch in der genannten Ausstellung “Oma, Opa und das Böse an sich” gezeigt wird; im Hintergrund “Sacrum Silentium”, eine Arbeit mit Bibelseiten.

Detailblick auf “Trotz alledem”.

Die Freiheit, sich einzumischen

Vielleicht müssen wir aufhören, uns zu fragen, ob unsere Kunst politisch „sein darf“. Wir sollten vielmehr anerkennen, dass unsere Perspektive, unsere Themen und unsere Entscheidungen längst politisch sind, denn sie erzählen etwas über die Welt, in der wir leben.

Ich bin jedenfalls der Meinung: gerade weil Kunst frei ist, darf sie sich einmischen. Im Grunde genommen mischen wir uns ja schon allein dadurch, dass wir Kunst machen, ständig ein. Und vermutlich ist diese aktuelle Weltlage genau der richtige Zeitpunkt, dass wir das ganz bewusst und selbstbewusst tun. Und damit aufhören, uns zu bemühen, unsere Kunst als „unpolitisch“ darzustellen.


Nochmal hören:

In den folgenden Episoden findest du Themen, die an das heutige Gespräch anknüpfen:

#116 Was für Kunst brauchen wir heute, Steffen Blunk?

Der Galerist und Künstler Steffen Blunk spricht darüber, warum Kunst gerade jetzt nicht leise sein darf.

#99 Swaantje Güntzel über die Kunst, unbequem zu sein
Ein Gespräch über Mut, Ausdauer und die Kraft der Beharrlichkeit


Atelier-Talk wird unterstützt von:

Manuel Koch und seinem Salon Schinkelplatz

Die schönste Rendite ist die Freude an der Kunst“ sagt Manuel Koch. Als Kunstkenner, Sammler und Finanzexperte weiß er, wovon er spricht.

Die Freude, von der er spricht, ist sogar 3-fach:

  1. Zum einen entsteht sie aus dem Wissen, dass mit dem Kauf von Kunst Künstlerinnen und Künstler unterstützt werden und ihnen und ihrer Arbeit Wertschätzung geschenkt wird.

  2. Du als Käufer:in hast die Freude an einem neuen Kunstwerk, das deinen Alltag verschönert und bereichert.

  3. Durch das Kaufen von Kunst kannst du für dich ein richtig gutes Investment tätigen.

    Alle Infos findest du bei: www.salon-schinkelplatz.de .


Link-Liste:

Mehr über meine Kunst und mich, Stephanie Hüllmann, gibt’s auf meiner

Mehr über meinen Kunst-Podcast-Unterstützer Manuel Koch und den Salon Schinkelplatz findest du hier:

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