#129 Dominik Schmitt: Das erste Publikum bin ich

 

Der innere Kompass und die Lust auf Umwege

Atelier-Talk #129: Dominik Schmitt
Stephanie Hüllmann

Dominik Schmitt (Foto: Joshua Mack)

Es gibt Gespräche, nach denen man das Aufnahmegerät ausschaltet und noch eine Weile sitzen bleibt. So ging es mir nach meinem Gespräch mit dem Maler Dominik Schmitt. Seine Arbeiten kannte ich bereits. Diese rätselhaften Figurenwelten, die gleichzeitig vertraut und fremd wirken, die mich anziehen und irgendwie auch abstoßen, mich zum Lachen bringen und zum Stirnrunzeln. Diese vollen und teils übervollen Bilder, in denen man ewig lang herumwandern kann mit den Augen und den Gedanken. Was ich jedoch nicht erwartet hatte: die erstaunliche Ähnlichkeit von Dominik Schmitts Bildwelten zu seinen Gedanken über Kunst, Freiheit, Kreativität und das Leben selbst.

Dominik Schmitt im Malprozess

Kunst beginnt dort, wo der Plan endet

Wer gehofft hat, Dominik würde erklären können, wie eines seiner Bilder entsteht, wird möglicherweise enttäuscht. Oder begeistert.

Denn seine Antwort lautet oft: Er weiß es selbst nicht genau.

Wir sprechen über den kreativen Prozess, über das Arbeiten ohne festen Plan und darüber, warum ein Bild manchmal einen völlig anderen Weg einschlägt als ursprünglich gedacht. Irgendwann landen wir dabei sogar beim Wocheneinkauf im Supermarkt. Und erstaunlicherweise ergibt alles Sinn…bevor unser Gespräch dann im nächsten Moment schon wieder in einen ganz anderen Bereich wandert.

Ein aktueller Blick ins Atelier

Vom Pfälzer Atelier auf internationale Kunstmessen

Dominik Schmitt gehört zu den Künstlern, die, von außen betrachtet, einen bemerkenswerten Weg gegangen sind: Von der Pfalz hinaus in tolle Galerien, internationale Ausstellungen, wichtige Kunstmessen.

Doch wer jetzt eine klassische Erfolgsgeschichte erwartet, wird überrascht sein. Denn der interessanteste Teil seiner Karriere ist eigentlich nicht, wie ich vorab erwartet hatte, der Erfolg selbst, sondern seine Haltung dahinter. Wir sprechen darüber, wie man sichtbar wird, ohne sich zu verbiegen. Wie wichtig Netzwerke sind und wie sie entstehen. Und warum Beharrlichkeit oft auch wichtiger ist als Genialität.

In die Arbeit vertieft

Ein Kino mieten? Warum eigentlich nicht?

Einer meiner Lieblingsmomente des Gesprächs.

Während einige noch damit hadern, einen Account mit dem eigenen Namen auf Instagram zu eröffnen und andere, ob sie ihre Kunst wirklich mal jemandem zeigen wollen, beschließt Dominik einfach, einen eigenen Film zu produzieren und dafür ein Kino zu mieten. Weil er das spannend findet. Weil er die Situation toll findet, dass Menschen da sitzen und das, was er geschaffen hat, erleben.

Für mich steckt dahinter Mut, aber gleichzeitig noch so viel mehr. Es geht um eine Grundhaltung, die sich durch das gesamte Gespräch zieht: Dinge ausprobieren, bevor man weiß, ob sie funktionieren: aus Neugierde, aus einem Bedürfnis heraus, aber irgendwie doch einfach auch aus Lebensfreude und Begeisterung für das eigene Tun!

Ein Gedanke, von dem vermutlich nicht nur Künstlerinnen und Künstler etwas lernen können.

Nie allein im Atelier (Foto: Jan Robert Weist)

Der innere Kompass

Im Laufe unseres Gesprächs taucht ein Thema immer wieder auf, auch wenn es nicht ständig benannt wird: Orientierung.

Woran orientiert man sich eigentlich, wenn Trends kommen und gehen? Wenn Lob und Kritik wechseln? Wenn der Kunstmarkt boomt oder schwächelt? Wenn das innere Gefühl einen vom ursprünglichen Lebensplan wegruft? Wenn plötzlich mehr passiert, als abzusehen war?

Dominiks innerer Kompass richtet sich nach etwas aus, das heute leider nur noch selten Wichtigkeit besitzt und dadurch fast altmodisch erscheint. Vielleicht klingt es ein wenig pathetisch, aber ich schreibe es dennoch genau so hier hin: Dominik besitzt eine eigene, klare Haltung.

Künstler, Kunst und Maya

Warum Kunst mehr ist als Malerei

Ein Gedanke verbindet Dominik Schmitt und den Atelier-Talk Podcast besonders: die Einstellung zu dem, was für uns Kunst ist.

Kunst ist für uns beide kein Material und keine Technik.

Sie beginnt nicht bei Öl, Acryl, Kohle oder Holz, Metall, Stein.

Sie beginnt bei einer intensiven Beschäftigung mit einer tiefen Faszination für etwas – sei es gärtnern oder Musik machen. Ja, im Atelier-Talk Podcast sind die bildenden Künstlerinnen und Künstler die am meisten vertretenen, einfach weil ich selbst in dem Feld tätig bin. Aber schon von Anfang an habe ich Kunst so definiert, wie auch Dominik sie versteht.

Im Gespräch geht es um Philosophie, Biologie, Religion, Politik, Zweifel, Erkenntnis und die großen Fragen, die Menschen vermutlich schon beschäftigen, seit sie begonnen haben, Höhlenwände zu bemalen. Oder mit Begeisterung und „Liebe“, wie Dominik sagt, über lange Zeit Brötchen zu backen.

Immer wieder zurückkehren zur Faszination an dem, was man tut (Foto: Joshua Mack)

Freiheit in unruhigen Zeiten

Gegen Ende unseres Gesprächs wird es noch einmal grundsätzlicher.

Wir sprechen über Freiheit. Über Verantwortung. Über die politische Stimmung unserer Zeit und über die Frage, welche Rolle Kunst spielen kann, wenn gesellschaftliche Gewissheiten ins Wanken geraten.

Nicht als Parteiprogramm. Nicht als erhobener Zeigefinger. Sondern als Einladung zum Denken.

Dieses Gespräch hat mich an mehreren Stellen zum Lachen gebracht, an einigen Stellen zum Nachdenken und an mindestens einer Stelle dazu, meine eigenen Überzeugungen noch einmal zu überprüfen.

Mehr kann ich als Fragende, als Neugierige, als Podcast-Host von einer Podcastfolge eigentlich nicht verlangen. Ich hoffe, euch geht es ähnlich! Danke, Dominik.


Nochmal hören:

In den folgenden Episoden findest du Themen, die an das heutige Gespräch anknüpfen:

#117 Anne Simone Kiesiel: Kunst ist kein Selbstgespräch
Anne Simone Kiesiel ist promovierte Kunsthistorikerin, Autorin, Kuratorin
und spricht mit mir über ihre vielschichtige Arbeit, die sich zwischen Reflexion und aktiver Mitgestaltung der Kunstszene bewegt.

#108 Anh Nguyễn und die Kraft der inneren Einstellung
Ich interviewe die Artmanagerin und freiberufliche Kuratorin Anh Nguyễn. Seit vielen Jahren bewegt sie sich in der Kunstwelt und trifft auf vielfältige Weise mit Künstler:innen, Sammler:innen, Galerist:innen und Kulturschaffenden zusammen.

#109 SMALL-Talk: Kunst trifft Klarheit
In dieser Episode beleuchte ich die Frage, wie unternehmerisch Künstler*innen wirklich denken und wie wir uns darin verbessern können.


Atelier-Talk wird unterstützt von:

Manuel Koch und seinem Salon Schinkelplatz

Die schönste Rendite ist die Freude an der Kunst“ sagt Manuel Koch. Als Kunstkenner, Sammler und Finanzexperte weiß er, wovon er spricht.

Die Freude, von der er spricht, ist sogar 3-fach:

  1. Zum einen entsteht sie aus dem Wissen, dass mit dem Kauf von Kunst Künstlerinnen und Künstler unterstützt werden und ihnen und ihrer Arbeit Wertschätzung geschenkt wird.

  2. Du als Käufer:in hast die Freude an einem neuen Kunstwerk, das deinen Alltag verschönert und bereichert.

  3. Durch das Kaufen von Kunst kannst du für dich ein richtig gutes Investment tätigen.

    Alle Infos findest du bei: www.salon-schinkelplatz.de .


Link-Liste:

Außerdem:

Mehr über mich, Stephanie Hüllmann, gibt’s auf meiner


Mehr über meinen Kunst-Podcast-Unterstützer Manuel Koch und seinen Salon Schinkelplatz findest du hier:

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#128 Ist das Kunst oder Handwerk, Maike Weyrich?