#123 Ein Jahrhundert GEDOK
Ein Insider-Blick mit Sabine Rheinhold
Sabine Rheinhold, 1. Vorsitzende der GEDOK Hamburg
In Folge #123 meines Kunst-Podcasts spreche ich mit Sabine Rheinhold, der 1. Vorsitzenden der GEDOK Hamburg, über die Funktionsweise, die Geschichte und die Zukunft des ältesten Künstlerinnenverbands Deutschlands.
Sabine macht sichtbar, wie komplex, vielschichtig und zugleich unverzichtbar die Verbandsarbeit im Kulturbereich ist – und weshalb die GEDOK nach 100 Jahren kaum an Strahlkraft verloren hat.
Vom Journalismus zur Leitung der GEDOK Hamburg
Nachdem Sabine Rheinhold auf ihrem langjährigen Weg als Wirtschaftsjournalistin „alles im Fernsehen gemacht hat, was sie machen wollte“, zieht sie sich bewusst aus der NDR-Redaktion zurück und wird von befreundeten GEDOK-Künstlerinnen gebeten, den vakanten Vorsitz der GEDOK zu übernehmen. Obwohl sie sich zwar als leidenschaftliche Betrachterin der Künste, aber ohne eigene künstlerische Ader sieht, nimmt sie diese Herausforderung an. Wie das passt?
Für die GEDOK sind weniger kunstfachliche Detailkenntnisse ihrer Vorsitzenden entscheidend, sondern vielmehr Empathie, Haltung und die Bereitschaft Verantwortung für ein heterogenes Kollektiv zu übernehmen. Denn die Leitungsaufgabe ist eine komplexe Gratwanderung zwischen Nähe zu den Künstlerinnen einerseits, und sachlich unparteiischen Entscheidungen andererseits. Da ist Sabine Rheinholds “Blick von außen” besonders wichtig.
Sabine Rheinhold (rechts) im Gespräch mit Helmut Schmidt
GEDOK: Historie, Netzwerk und heutige Relevanz
Die Gründung der GEDOK im Jahr 1926 ist der visionären Netzwerkerin und Frauenrechtlerin Ida Dehmel zu verdanken. Sie schuf damit eine Plattform, die nicht nur den bildenden Künstlerinnen Sichtbarkeit verschafft, sondern Künstlerinnen aller Sparten unter ihrem Dach vereint.
Eine Besonderheit der GEDOK, die Sabine Rheinhold besonders schätzt, liegt darin, dass von Beginn an nicht nur Kunstschaffende, sondern auch kunstfördernde Frauen Teil der Organisation waren und immer noch sind – eine Verbindung, die Professionalität, gesellschaftliche Vernetzung und gegenseitige Unterstützung ermöglicht.
100 Jahre nach der Gründung der GEDOK stellt sich nun die spannende Frage: Ist denn eine Frauenförderung heute überhaupt noch wichtig?
Im Gespräch geht Sabine Rheinhold mit einer klaren Antwort auf diese Frage ein und beleuchtet existierende Ungleichheiten, den Kunstmarkt und die Social Media. Denn enn wie schafft man Sichtbarkeit in einer Welt, in der die Social Media alles zu vereinfachen scheinen, aber Aufmerksamkeit immer knapper wird?
Besonders überraschend und interessant ist für mich hierzu Sabine Rheinholds Exkurs zu mentalen Barrieren bei Künstlerinnen!
Verbände, Politik und die Macht der Struktur
Künstler:innenverbände wie GEDOK und BBK spielen eine zentrale Rolle in politischen Entscheidungsprozessen. Sabine Rheinhold stellt heraus, dass bei der Vertretung der Interessen von Verbänden und Künstler:innen in Zusammenarbeit mit der Politik viel Hartnäckigkeit gefragt ist. Einzelne Kunstschaffende können sich ohne die Verbände in der Politik kaum Gehör verschaffen.
Hinter simplen Förderprogrammen steckt allerdings sehr viel komplexe Organisation, die man so nicht vermuten würde. Sabine schildert, wie wichtig die schnelle gemeinsame Reaktion von Politik, Verwaltung und Verbänden z.B. im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie war, um mit fachlicher Expertise Interessen zu bündeln und Förderung gerecht zu gestalten.
Sabine Rheinhold bei der Arbeit
Gemeinschaft, Ehrenamt, Generationendialog
Die GEDOK Hamburg ist weitgehend unter ehrenamtlicher Führung und organisiert dennoch jährlich zahlreiche Ausstellungen, Konzerte und Projekte über mehrere Sparten hinweg. Diese Vielfalt erzeugt jedoch auch immer wieder Interessenkonflikte. Sabine Rheinholds Aufgabe besteht daher oftmals darin, zwischen den unterschiedlichen Bedürfnissen der Fachbereiche zu vermitteln.
Besonders wertvoll findet sie die generationenübergreifende Gemeinschaft innerhalb der GEDOK. Formate wie den „Salon“, zu dem die Künstlerinnen ihre Arbeiten vorstellen und einander konstruktiv Feedback geben, betrachtet Sabine als zentrale Stärke.
Wünsche, Herausforderungen, Zukunftsperspektiven
Sie blickt jedoch auch mit Sorge auf die zunehmende Belastung des Ehrenamts. Die organisatorischen Aufgaben sind so umfangreich geworden, dass eine rein ehrenamtliche Leitung langfristig nicht mehr tragfähig erscheint.
Gleichzeitig erlebt Sabine große Freude und Hoffnung durch die Kreativität, Energie und organisatorische Kompetenz der GEDOK-Frauen. Sie appelliert an alle Mitglieder, Verantwortung im Verband zu teilen, einander wertschätzend zu begegnen und offen zu bleiben für die Arbeit anderer Fachbereiche. So kann jede Einzelne einen Beitrag zur weiteren Sichtbarkeit und Relevanz der GEDOK leisten.
GEDOK-Jubiläumsausstellungen 2026
Sabine Rheinhold spricht von der großen Ausstellung im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg: Künste Frauen Netzwerk ist vom 30. Januar bis 29. März 2026 dort zu sehen.
Und im Kunstforum der GEDOK Hamburg ist Da blüht uns was vom 24. Januar bis 28. Februar zu sehen.
Es finden Feierlichkeiten, Ausstellungen, Lesungen, etc. an vielen verschiedenen Orten im Jubiläumsjahr statt - die 23 Regionalgruppen der GEDOK informieren auf ihren jeweiligen Webseiten.
Nochmal hören:
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Manuel Koch und seinem Salon Schinkelplatz
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Link-Liste:
Mehr über Sabine Rheinhold und die GEDOK findest du hier:
Schau auch oben im Text nach den Links zu den diversen Büchern und Netzwerken, die im Gespräch auftauchen!
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