#134 Christian Scheiding über die Kunst, Geld zu behalten

 

Tipps und Spielregeln zwischen Werk und Konto

Atelier-Talk #134: Christian Scheiding über die Kunst, Geld zu behalten
Stephanie Hüllmann

Nachricht in eigener Sache

Ich lade ein zu meiner aktuellen Einzelausstellung, in der Nähe von Berlin!

Die Sache mit der Nähe

VERNISSAGE: 6. November 2026, 19 Uhr

FINISSAGE (“Kaffeeklatsch mit Künstlerin”): 17. Januar 2027, 15 Uhr

Galerie Villa Blunk
Besichtigungen sind, nach Absprache unter 0179 9070124 (auch WhatsApp), “fast immer” auch zwischen den Jahren möglich


Christian Scheiding in einem seiner Workshops

Steuern, Belege, Rechnungen und das Finanzamt… vermutlich gehören diese Themen nicht zu den Dingen, für die wir morgens voller Begeisterung ins Atelier gehen, oder? Gleichzeitig weiß ich, wie wichtig es ist, die eigene künstlerische Arbeit auch wirtschaftlich ernst zu nehmen. Deshalb spreche ich in Episode #134 des Atelier-Talk Podcasts mit Christian Scheiding, Rechtsanwalt mit Schwerpunkt Steuerrecht. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den steuerlichen Fragen von Künstlerinnen und Künstlern.

Unser Gespräch zeigt, wie viele praktische Fragen hinter den vermeintlich trockenen Paragrafen stecken und er kommt mit handfesten Tipps um die Ecke!

Ab wann bist du als Künstler:in auch Unternehmer:in?

Im Prozess, die eigene künstlerische Sprache zu entwickeln und den eigenen Weg in die Kunstwelt zu finden, kann es fremd wirken, sich gleichzeitig mit Einnahmen, Businessplänen und Steuern auseinanderzusetzen. Doch Christian Scheiding sagt ganz klar: wer langfristig von seiner Kunst leben möchte, sollte von Anfang an auch unternehmerisch denken! Denn dadurch schaffst du die Voraussetzungen für eine erfolgreiche künstlerische Zukunft. Künstlerisches Arbeiten und wirtschaftliches Denken sind einfach keine Gegensätze!

Kunst als Business oder als Hobby?

Farben, Leinwände, Atelierkosten. Ausstellungen, Workshops, Webseite: Gerade in der Aufbauphase entstehen viele Ausgaben, während die Einnahmen noch auf sich warten lassen. Christian Scheiding nimmt genau auseinander, warum eine nachvollziehbare Dokumentation so wichtig ist. Und er hat einen großartigen Tipp, wie wir tatsächlich mit nur minimalem Zeitaufwand alles, was das Finanzamt benötigt, im Griff behalten. Und so bleibt auch die Sorge vor dem Verdacht der sogenannten “Liebhaberei” im Rahmen, dem Vorwurf des Finanzamts also, dass deine Kunst ja nur ein Hobby sei.
Und auch seinen Tipp zur Art der Dokumentation von Ausgabenzwecken finde ich wirklich hilfreich.

Ausgeklügeltes Belege-Ablagesystem im Atelier Stephanie Hüllmann…

Was beim Kunstverkauf zählt

Ja, es gibt Dinge, die kompliziert wirken: Kleinunternehmerregelung, Umsatzsteuer und unterschiedliche Steuersätze zum Beispiel. Sie haben konkrete Auswirkungen auf unsere Einnahmen und Abgaben. Denn nicht nur Originalkunst, sondern auch Drucke, Postkarten, Workshops und andere Leistungen können steuerlich relevant sein. Gerade wenn du bislang nur gelegentlich etwas verkaufst, lohnt es sich, die geltenden Regeln zu kennen. Auch zu der Frage, wie Du unangenehme Überraschungen vermeidest, wenn ein Verkaufsjahr plötzlich besser läuft als erwartet, hat Christian Scheiding handfeste Tipps parat.

Fallstricke bei Verkauf und Zusammenarbeit?

Jede Verkaufsform bringt eigene steuerliche und rechtliche Fragen mit sich. Besonders beim internationalen Verkauf solltest du dich vorab über die geltenden Rahmenbedingungen informieren.
Auch die Zusammenarbeit mit anderen Kreativen ist Thema unseres Gesprächs. Ich war total überrascht, dass mal kurz Ausgaben für Fotografie oder technische Unterstützung meist kein Problem sind, wenn du aber, vielleicht um besonders fair zu sein, die Zusammenarbeit vertraglich regelst, durchaus Vorsicht geboten ist! Stichwort: Scheinselbständigkeit! Hör dazu unbedingt rein!

Christian Scheiding in seinem Büro

Altersvorsorge und das richtige Timing

Vielleicht nicht für uns alle relevant, aber durchaus sinnvoll sich das auch mal anzuhören, ist das Thema, was passiert, wenn du mal deutlich mehr Kunst verkaufst als erwartet. Natürlich ist das ein Grund zur Freude, gleichzeitig steigen aber auch die Anforderungen an deine finanzielle Planung. Christian Scheiding möchte uns Kreativen vor allem mitgeben, wie sinnvoll es ist, Einnahmen und Ausgaben sehr regelmäßig zu erfassen. Und es gibt Wege, dass das nicht mit großem Zeitaufwand verbunden ist!
Wer seine Zahlen kennt, kann frühzeitig reagieren und steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten besser nutzen. Das hilft nicht nur bei den Steuern, sondern auch bei der gesamten wirtschaftlichen Organisation unseres künstlerischen Alltags!

Von der Leidenschaft zum Lebensunterhalt

Diese Zahl hast du doch auch schonmal gehört: Nur etwa drei Prozent der Künstler:innen können derzeit von ihrer Kunst leben. Christian Scheiding plädiert deshalb dafür, unternehmerisches Wissen aufzubauen, sich mit Preisgestaltung auseinanderzusetzen und das Führen von Verkaufsgesprächen zu lernen. Er ermutigt dazu, die eigene Arbeit nicht unter Wert anzubieten und sich bei Bedarf Unterstützung zu holen.
Natürlich lässt sich wirtschaftlicher Erfolg nicht einfach durch höhere Preise erreichen. Umso mehr sollten wir uns mit den Themen beschäftigen, die unsere Arbeit langfristig ermöglichen.

Mein Fazit aus dieser Episode: ich habe wirklich praktische Herangehensweisen gelernt, mit meinen Finanzen umzugehen, die ich umgehend umsetzen möchte. Und ich bin mal wieder daran erinnert worden, dass das wirtschaftliche Denken für uns als Künstler:innen bessere Voraussetzungen schafft, damit wir langfristig Kunst machen können!


Nochmal hören:

In den folgenden Episoden findest du Themen, die an das heutige Gespräch anknüpfen:

#44 Steuern für Kreative - endlich mal verständlich!

Steuerberaterin Simone Hußmann bricht uns endlich einmal herunter, was Kunstschaffende zum Einstieg ins Thema Steuern unbedingt wissen sollten und gibt jede Menge Tipps.

#108 Anh Nguyễn und die Kraft der inneren Einstellung

Ánh Nguyen, Art Managerin und freie Kuratorin spricht über die Wichtigkeit für Künstler:innen sich als Unternehmer:innen zu verstehen und den Einfluss von Authentizität und Zielstrebigkeit auf das Selbstbewusstsein von Kunstschaffenden.


#109 SMALL-Talk: Kunst trifft Klarheit

Unternehmerisch denken als Künstlerin oder Künstler – was bedeutet das eigentlich? Ich gebe in dieser Episode ganz konkrete Tipps zum Thema Kunst als Business.


Atelier-Talk wird unterstützt von:

Manuel Koch und seinem Salon Schinkelplatz

„Die schönste Rendite ist die Freude an der Kunst“ sagt Manuel Koch. Als Kunstkenner, Sammler und Finanzexperte weiß er, wovon er spricht.

Die Freude, von der er spricht, ist sogar 3-fach:

  1. Zum einen entsteht sie aus dem Wissen, dass mit dem Kauf von Kunst Künstlerinnen und Künstler unterstützt werden und ihnen und ihrer Arbeit Wertschätzung geschenkt wird.

  2. Du als Käufer:in hast die Freude an einem neuen Kunstwerk, das deinen Alltag verschönert und bereichert.

  3. Durch das Kaufen von Kunst kannst du für dich ein richtig gutes Investment tätigen.

    Alle Infos findest du bei: www.salon-schinkelplatz.de .


Link-Liste:

Außerdem:

Mehr über mich, Stephanie Hüllmann, gibt’s auf meiner


Mehr über meinen Kunst-Podcast-Unterstützer Manuel Koch und seinen Salon Schinkelplatz findest du hier:

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#133 Kann Kunst mit uns plaudern, Kerstin Ludolph?