#126 Anna Schwan meets Frida
Über die Förderung von Künstler:innen in prekären Strukturen
Anna Schwan (Foto: David Reineke)
Diese Episode ist Teil des großen Podcasthons - einer Initiative, in der über 2½-tausend Podcasts eine Woche lang gemeinnützige Organisationen vorstellen. Ich habe mir dafür die MeetFrida Foundation dafür ausgesucht.
Anna Schwan ist Gründerin der MeetFrida Foundation und leitet im Hauptberuf eine PR- und Kommunikationsagentur mit Schwerpunkt auf institutionellen und Kulturkunden. Was sie zur Gründerin einer gemeinnützigen Kunststiftung gemacht hat, war der Blick auf eine Gruppe, die in der Pandemie schlicht vergessen wurde: bildende Künstlerinnen und Künstler. In Episode #126 meines Kunst-Podcasts sprechen wir darüber, wie aus einem Corona-Hilfsprojekt eine Stiftung entstand, warum die Kunstwelt gleichzeitig offen und erschreckend verschlossen ist, und was Künstlerinnen und Künstler selbst tun können, um sichtbarer zu werden.
Warum eigentlich Frida?
Ihr denkt, vielleicht steckt hinter dem Namen der Stiftung eine tiefe persönliche Verbindung zu Frida Kahlo. Anna Schwan räumt gleich zu Beginn damit auf: Der Name entstand pragmatisch – und der Ablauf der Namenswahl ist eigentlich schon symptomatisch für ein größeres Problem. Die ersten Stiftungsprojekte trugen schlicht den Vornamen der gezeigten Künstler:innen. Als es darum ging, der Stiftung selbst einen Namen zu geben, sollte es kein Männername sein. An welche weltberühmte Künstlerinnen denkt man also, deren Vorname sofort erkannt wird – auch außerhalb der Kunstblase? Die Liste ist erschreckend kurz! Außer Frida Kahlo gab es tatsächlich keinen Frauen-Namen, der ohne weitere Erklärung die Stiftung hätte benennen können. Das sagt bereits viel über den roten Faden, der sich durch unser ganzes Gespräch zieht.
(Foto: Thomas Müller)
Ein Kind es Lockdowns
Wer erinnert sich noch daran, wie während der Pandemie über jede Berufsgruppe berichtet wird – und über bildende Künstlerinnen und Künstler so gut wie gar nicht? Das Argument dahinter lautet: Die können doch einfach ins Atelier gehen und weiterarbeiten. Anna Schwan, die seit ihrer Kindheit von Kultur umgeben und jahrelang selbst kreativ tätig ist, startet mit Blick auf fehlende Einnahmen, Inspiration und Aufträge für Künstler:innen kurzerhand einen Aufruf über Instagram: Zeigt uns Eure Werke, wir bringen sie auf Plakatwände - über Annas PR-Agentur. Was für eine großartige Idee! Innerhalb eines Monats melden sich 150 Künstlerinnen und Künstler. Die Resonanz ist so überwältigend, dass Anna beschließt, daraus etwas Dauerhaftes zu machen – eine gemeinnützige Stiftung.
(Foto: Atelier Reservoir)
Die Kunstblase und ihre selbstgezogenen Grenzen
Hier wird das Gespräch besonders ehrlich – und vielleicht für manche unbequem. Die Kunstwelt gibt sich gerne offen, progressiv, grenzensprengend. Und doch ist sie in der Praxis oft rigide und selbstreferenziell. Als die MeetFrida Foundation eine großartige Galeriefläche im Hamburger Stilwerk anbietet, lehnen einige Künstlerinnen und Künstler ab. Die Angst: zu kommerziell, falscher Kontext, schlecht für den Lebenslauf. Anna beschreibt dieses Phänomen als strukturelles Problem, das nicht nur Künstler:innen selbst, sondern auch Kuratorinnen, Museen und Institutionen betrifft. Alle reden davon, neue Zielgruppen erschließen zu wollen. Aber wenn es konkret wird – auf TikTok präsent sein, auf Plakatwänden erscheinen, in einem Designhaus ausstellen – wird plötzlich gezögert. An sehr vielen Stellen bremst diese Selbstbezogenheit die Entwicklung von Städten zu Kunststädten aus.
(Foto: Thomas Müller)
Ein gescheitertes Projekt als Spiegel der Gesellschaft
Was passiert, wenn man 200 Förderanträge verschickt – an Unternehmen, Stiftungen, Kommunen und Bundesländer – und am Ende gerade einmal 5.000 Euro zusammenkommen? Genau das erlebte die MeetFrida Foundation mit einem geplanten bundesweiten Projekt zu Kunst und Demokratie, das pünktlich zu mehreren Landtagswahlen laufen sollte. Die Bereitschaft dieses Projekt finanziell zu unterstützen, war bundesweit minimal. 90 Prozent der Absagen enthielten einen Satz, den ihr wahrscheinlich kennt: „Wir finden Ihr Projekt super wichtig, aber….“ Anna Schwan wirft im Interview sehr kritische Fragen zu dieser Entwicklung auf.
(Foto: Atelier Reservoir)
Was Sichtbarkeit wirklich bedeutet - und wie sie entsteht
Wenn Ausstellungen seltener ausverkauft und Fördermittel rar sind, die Aufmerksamkeit flüchtig ist – warum macht die Meet Frida Foundation dann weiter? Weil Sichtbarkeit selbst eine Währung ist, betont Anna. Alle Künstlerinnen und Künstler, die mit der Stiftung zusammengearbeitet haben, berichten von mehr Followern, Medienberichten und neuen Kontakten. Anna Schwan schildert in unserem Gespräch ein besonders eindrückliches Beispiel, das Ihr Euch unbedingt anhören solltet. Außerdem gibt sie Tipps, wie man für mehr Sichtbarkeit sorgen kann, ohne sich zu verbiegen. Die Meet Frida Foundation unterstützt dabei auf Wunsch – und das ohne jede Verpflichtung für die Künstlerinnen und Künstler.
(Foto: Thomas Müller)
(Foto: Atelier Reservoir)
Was noch kommt
Trotz aller Hürden bleibt Anna Schwan nicht stehen. Geplant ist aktuell ein großes Wandbemalungprojekt in Berlin zum Thema Care-Arbeit – die Stiftung arbeitet daran, den Stadtteil einzubinden und das Projekt über das reine Kunstwerk hinaus zu verankern. Außerdem entstehen im Hamburger Levante Haus zwei Installationen von Künstlerinnen und Künstlern aus dem Stiftungsportfolio. Und das Demokratieprojekt? Noch nicht ganz aufgegeben – drei Rückmeldungen stehen noch aus. Wer die Arbeit der Meet Frida Foundation unterstützen möchte – ob als Privatperson, Förderer oder Künstlerin –, findet alle Informationen unter meetfrida.foundation. Dort ist auch eine direkte Spendenmöglichkeit eingerichtet. Wer als Künstlerin oder Künstler Teil des Netzwerks werden möchte, kann einfach Kontakt aufnehmen. Keine bürokratischen Hürden, keine Verpflichtungen – nur der gemeinsame Wunsch, bildende Kunst sichtbarer zu machen.
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Manuel Koch und seinem Salon Schinkelplatz
„Die schönste Rendite ist die Freude an der Kunst“ sagt Manuel Koch. Als Kunstkenner, Sammler und Finanzexperte weiß er, wovon er spricht.
Die Freude, von der er spricht, ist sogar 3-fach:
Zum einen entsteht sie aus dem Wissen, dass mit dem Kauf von Kunst Künstlerinnen und Künstler unterstützt werden und ihnen und ihrer Arbeit Wertschätzung geschenkt wird.
Du als Käufer:in hast die Freude an einem neuen Kunstwerk, das deinen Alltag verschönert und bereichert.
Durch das Kaufen von Kunst kannst du für dich ein richtig gutes Investment tätigen.
Alle Infos findest du bei: www.salon-schinkelplatz.de .
Link-Liste:
Mehr über die MeetFrida Foundation findest du hier:
Außerdem:
Diese Episode ist Teil des großen Podcasthon, einer Initiative, bei der eine Woche lang über 2,5-tausend Podcasts gemeinnützige Organisationen vorstellen.
Mehr über mich, Stephanie Hüllmann, gibt’s auf meiner
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